Der Digitalverband Bitkom hat am 14. September 2026 neue Zahlen veröffentlicht. Die Schlagzeile: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI – 57 Prozent. 2025 waren es 36 Prozent, 2024 erst 20 Prozent. Die wichtigere Zahl steht weiter unten.
Kein einziges Unternehmen mit KI sagt, es schöpfe das Potenzial voll aus. 59 Prozent der KI-Nutzer sagen: überhaupt nicht.
Breite erreicht. Tiefe fehlt.
Bitkom hat die Unternehmen, die KI bereits einsetzen, gefragt, wie viel sie aus der Technik herausholen. Das Ergebnis:
- 0 Prozent nutzen das Potenzial vollständig
- 3 Prozent eher stark
- 28 Prozent eher wenig
- 59 Prozent überhaupt nicht
Meine Lesart: KI ist in den Betrieben angekommen, aber oft als Werkzeug am Rand – ein Chatfenster, ein Textentwurf, eine Zusammenfassung. Die Abläufe selbst bleiben, wie sie waren. Dazu passt eine zweite Zahl: Ein Drittel der KI-Nutzer (33 Prozent) sagt offen, es setze KI vor allem aus Angst ein, sonst den Anschluss zu verlieren.
Wo KI heute arbeitet – und wo nicht
Am häufigsten arbeitet KI laut Bitkom im Kundenkontakt, etwa bei der Bearbeitung von Anfragen (72 Prozent), und in Marketing und Kommunikation (54 Prozent). Im Vertrieb sind es erst 14 Prozent – nach 5 Prozent im Vorjahr. Im Management 7 Prozent.
KI-Agenten, also Systeme, die Aufgaben selbstständig über mehrere Schritte erledigen, setzen 11 Prozent der Unternehmen ein, die KI nutzen oder planen. 29 Prozent planen den Einsatz, 31 Prozent diskutieren ihn.
Was bremst
Unternehmen ohne KI nennen vor allem fehlende technische Expertise (85 Prozent), rechtliche Unklarheiten (66 Prozent) und schwer kalkulierbare Kosten (63 Prozent). Unternehmen mit KI kämpfen vor allem mit Datenschutz-Anforderungen (66 Prozent) und rechtlicher Verunsicherung (56 Prozent). Nur 11 Prozent von ihnen sagen, es fehlten Anwendungsfälle.
Übersetzt: Ideen gibt es genug. Es fehlt der Weg vom Versuch in einen sauberen, rechtssicheren Ablauf.
Meine Einordnung: drei Schritte für den Mittelstand
1. Einen Prozess wählen, nicht ein Werkzeug. Am besten dort, wo KI laut Bitkom ohnehin am häufigsten wirkt: bei Anfragen im Kundenkontakt. Vorher messen: Wie viele Anfragen, wie lange bis zur Antwort, wie viele Rückfragen.
2. Vom Assistenten zum Ablauf. Der Sprung von „wenig“ zu „stark“ gelingt nicht mit einem besseren Chatfenster, sondern wenn KI einen Ablauf von Anfang bis Ende übernimmt – mit klaren Regeln, wann ein Mensch entscheidet. Genau hier setzen KI-Agenten an.
3. Recht und Datenschutz von Anfang an einbauen. 37 Prozent der Unternehmen gehen laut Bitkom davon aus, vom AI Act betroffen zu sein. Wer Datenverarbeitung, Kennzeichnung und menschliche Kontrolle gleich mitplant, räumt die zwei größten Bremsen der KI-Nutzer aus dem Weg.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sagt dazu: „Die entscheidenden Schritte stehen bei fast allen noch aus.“ Das ist die gute Nachricht. Der Rückstand ist noch aufholbar.
Quelle: Bitkom e. V., Presseinformation „Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI“ vom 14. September 2026; telefonische Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in den Kalenderwochen 28 bis 33 des Jahres 2026, repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Zur Pressemitteilung. Die Einordnung und die drei Schritte sind meine eigene Einschätzung, keine Erhebung.
Mehr zu meiner Arbeitsweise finden Sie auf der Seite über mich. Wie L.Ø.Ø.P dabei arbeitet, steht im Systemüberblick. Hintergrund zu den Zahlen vom Frühjahr: KI im Mittelstand: Warum die Mitte zurückfällt.