Kurz gesagt: Eine am 2. November 2026 veröffentlichte Befragung von 180 IT-Entscheidern in der DACH-Region zeigt eine klare Lücke. KI-Agenten werden breit getestet, aber fast nirgends durchgängig betrieben. Die wichtigste Zahl ist nicht 66 Prozent, sondern 1 Prozent.
58 Prozent testen KI-Agenten erst in Pilotprojekten. 19 Prozent nutzen sie in einzelnen Aufgabenbereichen produktiv. 1 Prozent arbeitet durchgängig in mehreren zentralen Geschäftsabläufen damit.
Woher die Zahlen kommen
Am 2. November 2026 hat Sopra Steria Ergebnisse der Studie „Agentic AI: vom Copiloten zum Autopiloten“ veröffentlicht. Durchgeführt hat die Befragung das Marktforschungs- und Beratungshaus Lünendonk & Hossenfelder, in fachlicher Zusammenarbeit mit Sopra Steria. Weitere Studienpartner sind Cosmo Consult, HyPlus, Materna, Reply und Woodmark.
Die Methode steht in der Veröffentlichung:
- 180 Befragte: CIOs, IT-Bereichsleiter und Fachbereichsverantwortliche.
- Herkunft: gehobener Mittelstand und Konzerne in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
- Erhebung: telefonische Interviews anhand eines Interviewleitfadens, April bis Juni 2026.
- Teilmenge: Zur Frage nach den Pilotprojekten haben sich 141 der 180 Unternehmen geäußert.
Das ist eine Befragung von Entscheidern, keine Messung an Systemen. Und die Studienpartner verkaufen selbst Leistungen in diesem Markt. Beides ändert die Richtung der Zahlen nicht, gehört aber dazu – so wie bei der KI-Sicherheitsstudie 2026, bei der die Bezugsgröße den Unterschied machte.
Die Zahlen im Einzelnen
Stand der KI-Agenten in den befragten Unternehmen:
- 4 Prozent beschäftigen sich bislang gar nicht mit dem Thema.
- 18 Prozent erkunden die Technik noch.
- 58 Prozent testen KI-Agenten erst in Pilotprojekten.
- 19 Prozent setzen sie in einzelnen Aufgabenbereichen produktiv ein.
- 1 Prozent arbeitet durchgängig in mehreren zentralen Geschäftsabläufen mit KI-Agenten.
Dazu kommt die Zahl, die durch die Presse ging: 66 Prozent der Unternehmen bringen weniger als ein Viertel ihrer KI-Pilotprojekte in den Regelbetrieb. Wichtig ist der Bezug. Die 66 Prozent sind ein Anteil an Unternehmen, nicht an Pilotprojekten. Wer daraus „66 Prozent aller KI-Piloten scheitern“ macht, verändert die Aussage.
Weiter aus derselben Befragung:
- 65 Prozent lassen Agenten bei Prozessen mit hohem Risiko nur Empfehlungen geben; die Entscheidung trifft ein Mensch.
- 98 Prozent wollen in den kommenden zwei Jahren in Datenqualität und Datenintegration investieren.
- 96 Prozent erwarten mehr Effizienz und niedrigere Kosten, 90 Prozent mehr Tempo.
Warum der Pilot stecken bleibt
Die Reihenfolge ist aufschlussreich. 96 Prozent erwarten Effizienz, 98 Prozent wollen erst noch in Daten investieren, und 1 Prozent betreibt Agenten durchgängig. Die Erwartung läuft der Grundlage weit voraus.
Meine Einschätzung, ausdrücklich als solche: Nach 30 Jahren im B2B-Vertrieb sehe ich selten ein Technikproblem. Ein Pilot bleibt stecken, weil zwei Dinge vor dem Start fehlen: eine Zahl, die er verbessern soll, und ein Name, der ihn danach betreibt. Ohne Messpunkt gibt es nichts zu entscheiden. Ohne Betriebsverantwortung gibt es niemanden, der ihn übernimmt. Dann endet der Pilot als Vorführung – nicht wegen des Modells, sondern wegen der fehlenden Übergabe.
Dass dabei meist nicht das Geld die Bremse ist, zeigte schon das KfW-Mittelstandspanel 2026: Mittel vorhanden, erster Schritt fehlt.
Was die Studie belegt – und was nicht
Belegen kann sie: In dieser Gruppe von 180 Entscheidern ist der Pilotbetrieb der Normalfall und der durchgängige Betrieb die Ausnahme. Das ist ein belastbares Stimmungsbild für gehobenen Mittelstand und Konzerne im DACH-Raum.
Nicht belegen kann sie: wie viele Agenten tatsächlich laufen, welche Prozesse betroffen sind und wie viel Geld dabei herauskommt. Eine Angabe eines CIO im Telefoninterview ist keine Systemmessung. Und kleine Unternehmen unter dem gehobenen Mittelstand sind in dieser Stichprobe nicht abgebildet.
Vier Schritte, die einen Piloten in den Betrieb bringen
- Eine Zahl vor dem Start festlegen. Antwortzeit auf Anfragen, Zeit bis zum Angebot, Anteil am ersten Tag beantworteter Anfragen. Ein Wert vorher, ein Wert nachher. Ohne diese Zahl ist die Entscheidung über den Regelbetrieb Geschmackssache.
- Den Zielwert nennen, ab dem der Pilot übernommen wird. Nicht „wenn es gut läuft“, sondern eine Schwelle und ein Datum. Das entscheidet, ob Sie zu den 19 Prozent oder zu den 58 Prozent gehören.
- Die Daten zuerst in Ordnung bringen. 98 Prozent wollen genau das noch tun. Falsche oder veraltete Angaben fallen in automatisierten Vorgängen sofort durch – wie auch bei falschen Produktdaten in KI-Antworten.
- Risiko und Pflichten von Anfang an mitdenken. 65 Prozent lassen Agenten in kritischen Prozessen nur Empfehlungen geben – ein vernünftiger Standard. Datenschutz (DSGVO) und die Nachweispflichten der EU-KI-Verordnung gehören dazu, etwa die KI-Kompetenz nach Artikel 4. Das ist keine Rechtsberatung; bei Zweifeln gehört eine fachliche Prüfung dazu.
Auf der Einkaufsseite läuft diese Entwicklung parallel: 62 Prozent erwarten autonome Einkaufsagenten im B2B. Wer selbst noch im Pilot steht, während die Gegenseite automatisiert, verliert Zeit – und 74 Prozent erwarten dadurch Wettbewerbsdruck.
Fazit
Die Studie zeigt keinen Technikrückstand, sondern einen Übergabefehler. Getestet wird breit, übernommen wird fast nichts. Der Unterschied zwischen 58 und 19 Prozent ist keine Frage des Modells, sondern eine Frage von Messpunkt und Zuständigkeit.
Wer 2027 nicht wieder im Pilotbetrieb stehen will, braucht kein größeres Modell. Er braucht eine Zahl, eine Schwelle und einen Namen.
Welcher KI-Pilot in Ihrem Unternehmen hat heute schon einen Zielwert und einen Verantwortlichen für den Betrieb danach?
Quellen: Pressemitteilung „Sopra Steria: Regulierung fördert KI-Erfolg von Unternehmen“ vom 2. November 2026, 09:27 Uhr, zur Studie „Agentic AI: vom Copiloten zum Autopiloten“ (Pressemitteilung, Studienseite). Methodik laut Herausgeber: 180 CIOs, IT-Bereichsleiter und Fachbereichsverantwortliche aus gehobenem Mittelstand und Konzernen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; telefonische Interviews April bis Juni 2026; zur Frage nach Pilotprojekten 141 Antworten. Durchführung Lünendonk & Hossenfelder in fachlicher Zusammenarbeit mit Sopra Steria, weitere Studienpartner Cosmo Consult, HyPlus, Materna, Reply und Woodmark. Alle Zahlen am 3. November 2026 zweimal gegen die Veröffentlichung geprüft. Die Einordnung und die vier Schritte sind meine eigene Einschätzung, keine Erhebung.
Mehr zu meiner Arbeitsweise finden Sie auf der Seite über mich. Wie L.Ø.Ø.P dabei arbeitet, steht im Systemüberblick.